Jungen, Mädchen und Erzieher/innen, Geschlechterbewusste Pädagogik für die Kita

Kajsa Wahlström
Beltz Verlag Weinheim und Basel 2013
ISBN 978-3-407-62847-3
191 Seiten, 19,95 Euro

Gleichstellung oder Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist in Europa ein sehr aktuelles Thema. Vor allem Frauenrechtsorganisationen, aber auch politische Gremien bemühen sich insbesondere um Anpassung von Entlohnung und Karierechancen von Frauen an das Niveau der Männer. Im Focus dieser Situation kann man zunächst skeptisch sein, welche Bedeutung „Gleichstellungspädagogik“ bei Jungen und Mädchen in der Kindertagesstätte haben kann.

Die Autorin Frau Kajsa Wahlström ist eine erfahrene, wissenschaftlich interessierte Kita-leiterin in Schweden. Im Rahmen eines staatlich geförderten Projektes hat sie die benannte Problematik über einige Jahre bearbeitet.

Schon nach dem Lesen der ersten Seiten des Buches wird der Leser die möglicherweise vorhandene Skepsis zum Thema Gleichstellung von Jungen und Mädchen in so frühem Alter verlieren.

Die vorgestellte Studie ist etappenweise abgearbeitet.

Zunächst werden Diskussionen zum Thema mit dem Kollektiv der Kindertagesstätte geschildert. Auch hier besteht allgemein die Meinung: „Das machen wir schon gut – es besteht dafür kaum Änderungsbedarf“. Für eine positive überzeugende Argumentation zum Änderungsbedarf half der Autorin ihre langjährige intensive Beobachtung über das unterschiedliche Verhalten von Eltern und anderen Bezugspersonen zu Jungen gegenüber Mädchen.

Der Leser wird über die eindrucksvolle Schilderung des unterschiedlichen Umgangs mit kleinen Jungen und Mädchen bereits auf der Entbindungsstation und später in der Mütterberatung und in der Kita überrascht sein. Daraus wird geschlussfolgert, dass neben unterschiedlichen genetisch-psychosomatischen Anlagebedingungen der beiden Geschlechter eine bereits in der frühesten Kindheit erfolgte unterschiedliche Verhaltensweise gegenüber Jungen und Mädchen die verschiedenen Charaktermerkmale weiter deutlich ausprägen. Dieser Hypothese standen die beteiligten Erzieherinnen zunächst skeptisch gegenüber. Die Aufzeichnung mit anschließender Diskussion von besonderen, das Thema betreffenden, Situationen zunächst in Papierform, später mit Videoaufnahmen überzeugte alle, dass Handlungsbedarf notwendig ist.

Welche Instrumentarien dafür sinnvoll sind, wird ausführlich dargestellt.

Jede Leiterinn einer Kita wird im Buch wertvolle Hinweise zur sicher nicht aktuell im Focus stehenden Thematik erhalten, aber auch die Erzieherinnen können gezielte Anregungen für ihre tägliche Arbeit bekommen.

Prof. Dr. med. H.-J. Nentwich