Ernährung für Kinder unter 3 Jahren in der Kindertagesstätte und in der Tagesbetreuung

Abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung von Anfang an ist die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Kindern. Grundlegende Ess- und Ernährungsgewohnheiten entwickeln sich schon in der frühesten Kindheit und werden langfristig entscheidend sowohl durch das Elternhaus als auch durch Kindertagestätten oder Tagesmütter/-väter geprägt. Die Betreuungspersonen in Kindertageseinrichtungen haben die Chance, schon den Kleinsten einen gesundheitsfördernden Lebensstil und eine positive Esskultur zu vermitteln.

Muttermilch und Säuglingsnahrung

Die Ernährungsempfehlungen für das erste Lebensjahr folgen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (www.dgkj.de) und den Nationalen Handlungsempfehlungen des Netzwerk Junge Familie (www.gesund-ins-leben.de). Säuglinge, die von pädagogischen Fachkräften oder Tagespflegepersonen zeitweise betreut werden, können auch in der Tagesstätte mit Mutter- oder Säuglingsmilch ernährt werden. Muttermilch ist die beste und natürliche Ernährungsform für alle Säuglinge, auch für Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko, mit vielen Vorteilen:

  • Die Zusammensetzung der Muttermilch ist konstant den kindlichen Bedürfnissen angepasst und liefert alle für das Wachstum und die gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe. So stillt Muttermilch optimal den Hunger und löscht gleichzeitig den Durst.
  • Muttermilch kann das Risiko für Durchfallerkrankungen, Mittelohrentzündungen und für späteres Übergewicht beim Kind senken. Studien haben gezeigt, dass gestillte Säuglinge ein geringeres Risiko haben, am plötzlichen Kindstod zu versterben.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Nationale Stillkommission haben Merkblätter zum Umgang mit Muttermilch in der Kindertagesstätte oder Tagespflege veröffentlicht. (Mehr dazu hier. )Die Merkblätter können auf der Internetseite des BfR unter www.bfr.bund.de/stillkommission heruntergeladen oder kostenlos beim BfR angefordert werden: Geschäftsstelle der Nationalen Stillkommission, Bundesinstitut für Risikobewertung, Max-Dohrn-Str. 8-10, 10589 Berlin, E-Mail: stillkommission@bfr.bund.de

Auch Teilstillen ist wertvoll und reduziert z. B. das Risiko für Durchfallerkrankungen. Gefüttert wird nach Bedarf: Zeitpunkt und Dauer bestimmt das Kind. Besondere Situationen, z. B. eine zu geringe Gewichtszunahme oder eine Trinkschwäche können es notwendig machen, ein Kind auch für eine Mahlzeit zu wecken.

Für die Ernährung mit Säuglingsmilch ist die Säuglingsanfangsnahrung für das 1. Lebensjahr geeignet, gekennzeichnet mit „Pre“ oder der Ziffer „1“. Kinder mit einem erhöhten Allergierisiko können zur Vermeidung späterer Allergien HA-, bzw. Hypoallergene Säuglingsmilch bis zur Einführung der Beikost bekommen.

Wann, wie oft und wie viel Milch gefüttert wird, hängt in erster Linie vom Appetit des Säuglings ab. Der zufriedene Eindruck des Babys, eine den normalen Gewichtskurven (Perzentilen) entsprechende Gewichtszunahme und nasse Windeln zeigen, dass die Milchmenge angemessen ist.

Um Eltern über das Trinkverhalten eines Säuglings berichten zu können, wird pädagogischen Fachkräften und Tagespflegepersonen empfohlen, die Trinkhäufigkeit und -menge zu dokumentieren.

Frisch zubereitet und richtig aufbewahrt

Die Milchnahrung für Säuglinge wird stets unmittelbar vor der Mahlzeit frisch zubereitet. Übriggebliebene Nahrung darf keinesfalls warmgehalten oder wiederverwendet werden, denn gesundheitsgefährdende Bakterien vermehren sich in Milch schnell. Besonders Neugeborene und Säuglinge sowie krankheitsbedingt geschwächte Kinder können daran schwer erkranken.

Abgepumpte Muttermilch, die in die Kindertagesstätte mitgegeben wird, sollte gekühlt angeliefert und im hinteren Teil des Kühlschranks aufbewahrt oder sachgemäß tiefgefroren werden. Um Keimwachstum zu verhindern, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden.

Die Verantwortung für die sachgemäße Aufbewahrung und Ausgabe der Säuglingsmilch obliegt der Kindertagesstätte.

Empfehlungen zu Einführung der Beikost

Frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats wird die Einführung der Beikost empfohlen, um eine ausreichende Nährstoffversorgung der Säuglinge sicherzustellen. Die individuelle Entwicklung des Säuglings sollte bei der Wahl des Zeitpunktes, an dem feste Nahrung eingeführt wird, berücksichtigt werden.

Eine abwechslungsreiche Beikostauswahl ist erwünscht. Die Geschmacksvielfalt fördert die Akzeptanz neuer Lebensmittel und hat einen positiven Einfluss auf die Toleranzentwicklung.

Auch Breie sollten immer frisch zubereitet und nicht wieder erwärmt werden.

Die Getränkestation

Ergänzend zur Milchnahrung sollte Flüssigkeit (Wasser) ab der Gabe von drei Breien/Tag angeboten werden. In der Kindertagesstätte sollten Mineralwasser und ungesüßte Früchtetees immer zur Verfügung stehen und den Kindern zugänglich sein. Gezuckerte Getränke und Fruchtsäfte sollten nachteiliger Effekt auf das Risiko für Übergewicht und Zahnschäden höchstens gelegentlich angeboten werden (max. 1 Becher/Tag). Getränke sollten aus Tasse oder Becher gereicht werden. Eine Flaschenfütterung nach dem ersten Lebensjahr wird nicht empfohlen, denn das bei Flaschenfütterung häufig auftretende anhaltende Umspülen der Zähne mit Milch oder gesüßtem Tee schädigt die Zähne.

Mehr Informationen und Tipps zum gesunden Trinkverhalten im Kindesalter finden Sie unter www.schwangerundkind.de/gesundes-trinkverhalten.html.

Essen fast wie die Großen

Mit der Einführung einer ausgewogenen Mischkost nähert sich die erwünschte Lebensmittelauswahl ab dem Ende des ersten Lebensjahres der Erwachsenenkost an. Kindgerecht zubereitet und unter Berücksichtigung von Besonderheiten für unter 3-jährige lernen Kinder in der Gemeinschaft eine Esskultur und die Vielfalt der Lebensmittel kennen. Je früher Kinder mit unterschiedlichen Nahrungsmitteln vertraut gemacht werden, desto größer ist später die Akzeptanz des Essens und umso mehr wird das Ernährungsverhalten positiv beeinflusst.

Dabei können Ernährungsspiele die Ernährungsbildung unterstützen. Ziel der Ernährungsbildung ist es, den Kindern einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln näher zu bringen, sie an Tischsitten und Essgewohnheiten heranzuführen und sie zur Wahrnehmung von Hunger und Sättigung zu befähigen.

Der Informationsaustausch zur Speiseplangestaltung zwischen pädagogischen Fachkräften, Tagepflegepersonen und Eltern ist wichtig und kann helfen, auf Allergien und Unverträglichkeiten einzugehen oder kulturspezifische Aspekte zu berücksichtigen.

Verantwortung im Umgang mit Lebensmitteln

Die Gemeinschaftseinrichtung trägt die Verantwortung für den Umgang mit Lebensmitteln. Hygienemaßnahmen müssen konsequent berücksichtigt und eingehalten werden. Neben einer guten allgemeinen Hygienepraxis sowie einer einwandfreien Küchenhygiene gehören dazu auch regelmäßige Mitarbeiterschulungen nach dem Infektionsschutzgesetzes.

Kinder mit chronischen Erkrankungen benötigen eine qualifizierte Betreuung und Förderung in der Kindertagesstätte. Besondere Essgewohnheiten oder eine spezielle Diät müssen in Absprache mit den Eltern und dem betreuenden Kinder- und Jugendarzt berücksichtigt und eingehalten werden.

In der Kindertagesstätte kommen Kinder aus allen gesellschaftlichen Strukturen – mit hohem oder niedrigem Bildungsstand, mit oder ohne Migrationshintergrund – zusammen. Pädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen können über die Kinder alle Familien erreichen und die Gesundheit schon der Kleinsten aktiv fördern.

Weitere Informationen finden sich im „Curriculum Gesundheitsförderung für Kinder unter 3 Jahren in der Kindertagesstätte“, das die gesundheitsbezogene Aus- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte und Tagespflegepersonen fördert, unter www.kinder-gesund-betreut.de.

Zusammengestellt von Hildegard Debertin und Berthold Koletzko, Stiftung Kindergesundheit im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München, Lindwurmstr. 4, 80337 München

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